wie Alles begann: Alex mit seinem Opa

Alex Cejka – der multikulturelle Globetrotter

verfasst: RDI Sports, 15.Januar 2005

 

Die sportlichen Erfolge des 34-jährigen Golfprofis sind hinreichend bekannt, doch stellt man sich oft die Frage, wie sieht die menschliche Seite des Sportlers aus? Gut, ein paar Dinge aus seinem Privatleben sind auch hier bekannt, dass er zum Beispiel am 02. Dezember 1970 in Marienbad, in der heutigen Tschechischen Republik, geboren wurde und mit neun Jahren gemeinsam mit seinem Vater nach Deutschland flüchtete und dass er schnelle Autos liebt. Ein schwarzer „Hummer“ ist sein Lieblingsauto. Er ist geschieden und hat zwei Söhne, Alexander (6) und Felix (3). Mehr ist über die Tourbücher nicht über ihn in Erfahrung zu bringen.

 

Alexander Cejka als Mensch zu beschreiben, fällt nicht leicht. Wer ihn nicht kennt, hält ihn für introvertiert, ja fast scheu. Doch dies scheint nur ein Schutzschild zu sein, denn hinter der Fassade, ist er ganz anders. Cejka ist ein fröhlicher und lustiger Zeitgenosse und hat sich noch eine gute Portion „Kind im Manne“ aufbewahrt. Wenn es seine Zeit erlaubt, ist er für jeden Spaß zu haben. Großen Trubel um seine eigene Person mag er jedoch nicht, denn er lässt sich nicht gerne Feiern. Erfolg haben ja – Personenkult allerdings, nein.

Die Kindheit und Jugend

Mit abgesägten Schlägern

Bereits im Alter von drei Jahren begleitete „Klein Alex“ seine Eltern und Großeltern auf den Golfplatz und versuchte mitzuspielen. Mit seinem abgesägten Schläger gelang es ihm sogar immer öfter den Ball zu treffen. In der Kindheit nach seinem Berufswunsch gefragt, war dies aber nicht Profi-Golfer. „Als Kind wollte ich immer Frauenarzt (!) werden. Warum weis ich selbst nicht,“ meint er verschmitzt. „Ich kann es mir nur so vorstellen, dass ich mitbekommen habe, dass Ärzte gut verdienen und die weiblichen Wesen mochte ich schon immer.“ Alex Cejka ist ein absoluter Familienmensch. Er lässt zum Beispiel keine Gelegenheit aus, seine Kinder und seine Großmutter in Marienbad so oft es geht zu besuchen. „Meine Familie ist mir sehr wichtig und ich vermisse sie oft. Deshalb nutze ich jede Chance, sie zu sehen. Ich versuche für meine Söhne ein guter

Vater zu sein, was aber aufgrund der Distanz zwischen den USA und Tschechien nicht einfach ist. Zum Glück gibt es in unserer heutigen Zeit viele Kommunikationsmittel, die ich nutzen kann, um mit ihnen in Verbindung zu bleiben."
1980 schlug Cejka mit seinem Vater sein Domizil im hessischen Offenbach, nahe Frankfurt am Main, auf und besuchte dort die Geschwister-Scholl-Schule. Parallel zur schulischen Ausbildung erlernte er im Hanauer Golfclub das Golfspiel von der Pike auf. Mit 12 Jahren spielte Alex seine erste 18-Loch-Runde und von da an ging es steil bergauf. Wenn er etwas anfängt, dann entwickelt er einen unbändigen Willen, nicht nur heute sondern auch schon im Kindesalter. „Golf war für mich als Jugendlicher ein toller Sport, bei dem ich einen großen Ehrgeiz und Trainingsfleiß entwickelte. Mit etwa 15/16 Jahren spielte ich die erste Runde unter Par und mit 17 Jahren entschied ich mich Profi zu werde. Jedoch die dreijährige Ausbildung zum Golflehrer war mir zu lange, deshalb stieg ich direkt ins Profigeschäft ein. Meine Trainer Bill Pringle, Tom Patterson, Peter Karz und heute Jonathan Yarwood haben meine Golfkarriere maßgeblich mitbestimmt.“ Wer jedoch jetzt zum Schluss kommt, Cejka hätte nur noch Golf im Kopf gehabt, der irrt. Eine weitere Leidenschaft war für ihn Fussball, speziell der F.C. Bayern München. „Ob Bayern in Offenbach, bei den Kickers, oder im Waldstadion, bei der Frankfurter Eintracht spielte, ich versuchte immer, mir die Spiele anzuschauen.“
Noch heute schlägt sein Herz für die „Roten“, wie der F.C. Bayern auch genannt wird.

Der zweite Profi-Sieg: Audi Quattro Trophy 1991

Vom Buben zum gestandenen Mann

Wer annimmt, der Start in die Profigolf-Welt ist einfach, täuscht sich. Man muss sich die ersten Lorbeeren über Ranglistenturniere, Mini-Touren und Qualifikationen erkämpfen, um einmal ganz nach oben zu kommen. Die Preisgelder sind gering, das Leben gleicht dem eines Vagabunden und die Ergebnisse, sind nicht immer die, die man sich vorstellt. Dies alles hat den Charakter von Alexander Cejka geprägt, denn den Biss und den starken Willen, die Spitze des Karriere-Berges zu erklimmen, hat er aus seiner Jugend mitgebracht. Blickt man auf seine Vorbilder, erfährt man sehr viel über den Menschen Cejka. „Im Golfsport ist Jack Nicklaus mein Vorbild, in anderen Sportarten fasziniert mich zum Beispiel Petre Korda und fürs Leben beeindruckt mich Vaclav Havel.“ Alles Männer, die großes in ihrem Leben erreicht haben. Auch die Karriere von Franz Beckenbauer hat Cejka beeindruckt. „Mit ihm möchte ich mich gerne einmal länger ungestört unterhalten. Wir kennen uns zwar, jedoch gab es noch nie die Gelegenheit für ein privates Gespräch.“

Der Weltenbummler

In Czechien geboren, in Deutschland aufgewachsen und in Amerika lebend – Alexander Cejka ist zum „Weltenbummler“ geworden. Seine Heimat war Boca Raton, Florida. Hier wohnte er in einem Appartement und konnte auch mal die Seele baumeln lassen. „In Florida konnte ich am besten beim Jetski fahren relaxen. Ab und zu las ich auch mal ein Buch. Das letzte war von Allen Carr: Endlich Nichtraucher. Ich muss jedoch gestehen, dass ich nur bis Seite 35 gekommen bin. Zur Entspannung schaue ich mir auch gerne Action-Filme an. Zu meinen Hobbies gehört unter anderem Tennis spielen, Angeln, Speed-Boot fahren und schöne Urlaube machen, wenn es die Zeit erlaubt.“ Eine Lieblingsstadt hat Cejka in den USA auch – Las Vegas, die Stadt die niemals schläft. Im November verlegte er seinen Wohnsitz von Florida nach Bullhead City, Arizona, nur 90 Autominuten südlich von Las Vegas entfernt. Warum der Umzug von Florida nach Arizona ? „Die Golfplätze in Florida waren in einem ganz schlechten Zustand und damit waren gute Trainingsmöglichkeiten nicht gegeben, vor allem in Boca Raton. Es war sehr heiß dort. Hier ist es zwar auch heiß, jedoch nicht so schwül wie in Florida und ich finde die Gegend um Las Vegas richtig gut.“ Wenn man dies alles zusammenfasst, kann man den Eindruck gewinnen, das ganze Leben des deutschen Profi-Golfers findet auf der Überholspur statt – schnelle Autos, Jetski fahren, Las Vegas, Action-Filme. Dies ist aber nicht so, denn Cejka hat bisher immer das richtige Maß zwischen Beruf und Privatleben gefunden, obwohl die Gefahr besteht, bei einem solchen „Zigeunerleben“ irgendwann abzudriften und die Bodenständigkeit zu verlieren. „Ich habe keine andere Wahl, als durch die Welt zu reisen, wenn ich meinen Beruf ernst nehmen will. Ich habe es mir ja selbst ausgesucht. Das geht schon, bisher konnte ich Beruf und Privatleben gut koordinieren.“ Zusammenfassend kann man den Menschen Alexander Cejka wohl so beschreiben:Er ist ein ehrgeiziger Sportler, der die Herausforderung sucht (Lieblingsgolfplatz: Augusta National) und annimmt, hart arbeitet und kämpft, ohne sich jedoch selbst zu überschätzen. Er ist ein Vollblut-Sportler, der allerdings von Jugend an den Blick für das reale Leben nie verloren hat und sich bis heute eine gesunde Portion „Kind im Manne“ erhalten hat.